Medien & Artikel

Kammerversammlung der Tierärztekammer Hamburg am 27.11.2019

Die Landestierärztekammer Hamburg trifft sich einmal jährlich zur Kammerversammlung. Nachdem der BaT auf seiner eigenen Mitgliederversammlung im Oktober 2019 Frau Dr. Elsner, Kammerpräsidentin der Tierärztekammer Hamburg als Gast begrüßen durfte, folgten wir nun unsererseits der Einladung.

Nach der Begrüßung der rund 30 anwesenden Mitglieder ging es um den Geschäftsbericht und Jahresabschluss 2018 und den Haushaltsentwurf für 2020. Im Anschluss berichteten die einzelnen Ausschüsse über getätigte Sitzungen und Beschlüsse. Gegen Ende entwickelte sich eine lebhafte Diskussion über berufsschädigende Entwicklungen. Ein Mitglied berichtete über das unkollegiale Verhalten eines Kollegen, welches tierärztliche Tätigkeiten in Verruf bringe; die Meldung darüber sei erfolgt. Ein weiteres Thema waren die Geschehnisse im LPT-Labor bei Hamburg. Aus den Mitgliederreihen kam klar der Wunsch nach öffentlicher Stellungnahme durch die Tierärzteschaft und die Frage, warum dies so schleppend vorangehe. Frau Dr. Elsner verwies auf die entsprechenden Zuständigkeiten zwischen Behörde und Kammern. Die Mühlen mahlen langsam, aber stetig…

Die Arbeit der Ausschüsse basiert stark auf dem Engagement einzelner Mitglieder. Um Veränderungen anzustoßen, Themen aufzugreifen und als Tierärzteschaft präsent zu sein braucht es viele, die mitmachen. Der Aufruf an alle Interessierten, sich mit wichtigen Themen einzubringen ist also stets aktuell.

Vielen herzlichen Dank für die Einladung und gerne bis zum nächsten Mal!

Nächstes Treffen zwischen VUK und BaT – Abstimmung über weiteres Vorgehen und nächste Schritte

Lüneburg, Posthausen, Hannover, 27.11.2019

Nächstes Treffen zwischen VUK und BaT – Abstimmung über weiteres Vorgehen und nächste Schritte

Am vergangenen Mittwoch, den 27.11.2019, fand beinahe auf den Tag genau 4 Monate nach dem ersten persönlichen Treffen der Vertreter des Verbund unabhängiger Kleintierkliniken e.V. (VUK) und des Bund angestellter Tierärzte e.V. (BaT) ein zweites Treffen statt. Für den VUK waren Dr. Dirk Remien und Dr. Tim Bonin dabei, der BaT war durch Dr. Leonie Wolters, Dr. Elisabeth Brandebusemeyer, Dr. Anne Menzel, Dr. Carina Blaschka, TÄ Juliane Munzel, TÄ Lilith Steingräber und Dr. Christian Wunderlich vertreten. Die hohe Teilnehmerzahl seitens des BaT erklärt sich durch den Miteinbezug des Gremiums „Tarifvertrag“, das bei der Mitgliederversammlung des BaT im Oktober 2019 ins Leben gerufen wurde.

Im intensiven zweistündigen Gespräch tauschten sich beide Vereine über die aktuellen Entwicklungen aus; insbesondere die Satzungsänderung des BaT zur Ermöglichung des Schlusses von Tarifverträgen sowie die erste Mitgliederversammlung des VUK waren Themen. So begrüßt der BaT ausdrücklich das Votum der VUK-Mitgliederversammlung, die einstimmig für weitere Gespräche mit dem BaT votierte. Die im Rahmen der Mitgliederversammlung des VUK neu eingesetzten Arbeitsgruppen wollen,  analog zum neu gegründeten BaT-Gremium „Tarifvertag“,  jetzt ihre Arbeit aufnehmen und  möglichst schnell erste Ergebnisse liefern.

Bereits im aktuellen Gespräch wurden Themen angesprochen, über die es zu diskutieren gilt und andererseits festgestellt, dass viele Punkte der BaT-Standards schon jetzt durch die VUK-Mitglieder eingehalten werden. Auch der Beschluss der VUK-Mitglieder zu einer künftig verpflichtenden Zertifizierung deutet in diese Richtung. Insbesondere die Dienstplangestaltung, Wünsche der Arbeitnehmer an diese, Arbeitszeitmodelle und Ruhezeiten waren weitere Themen der Diskussion. Im folgenden Prozess werden sich die Vertreter des VUK und BaT Gedanken machen, welche Punkte es weiter im Detail zu diskutieren gilt und mit welcher Entscheidungsgrundlage diese zu untermauern sind. Mit diesen Themen sollen sich die entsprechenden Arbeitsgremien beider Vereine nun intensiv auseinandersetzen und im gegenseitigen konstruktiven Dialog austauschen. Ferner wurden erste Ideen zur Evaluation der Ist-Situation in der Kleintiermedizin andiskutiert und  sollen nun entsprechend weiter bearbeitet werden.

Erneut waren beide Seiten mit dem sehr konstruktiven Gespräch äußerst zufrieden und haben bereits einen Folgetermin zu Beginn des neuen Jahres ins Auge gefasst, um gemeinsam für den tierärztlichen Berufsstand mehr zu erreichen.

Pressemeldung des VUK und des BaT, 01.12.2019

 

„Wo drückt der Schuh im Verhältnis von Inhabern zu Angestellten?“

 „Wo drückt der Schuh im Verhältnis von Inhabern zu Angestellten?“ – Zusammenfassung der Podiumsdiskussion im Rahmen des bpt Kongresses in München am 19.10.2019

 Teilnehmende:

  • Hellige (bpt-Arbeitskreis Angestellte Tierärzte)
  • Kröll (bpt-Vorstand)
  • Moog (Rechtsanwältin, bpt-Geschäftsstelle)
  • Remien (Verbund unabhängiger Kleintierkliniken)
  • Usko (Vizepräsidentin des bvvd)
  • Wunderlich (1. Vorsitzender des Bund angestellter Tierärzte)

Beim diesjährigen BpT- Kongress in München vom 17.-19.10.2019 wurden bei dem Round Table „Wo drückt der Schuh im Verhältnis von Inhabern zu Angestellten?“ mögliche Ursachen des Nachwuchsmangels in der Tiermedizin diskutiert. Der Bund angestellter Tierärzte (BaT) wurde durch den 1. Vorsitzenden Dr. Christian Wunderlich vertreten.

Gründung VUK

Zu Beginn begrüßt der Moderator, Herr Färber (Geschäftsführer des BpT), die Gründung des ersten reinen Arbeitgeberverbandes der Tiermedizin, des Verbandes unabhängiger Kleintierkliniken (VuK) – der BaT berichtete. Remien, Gründungsmitglied des VuK, berichtet über die Bemühungen und betont die Notwendigkeit, auf die sehr unterschiedlichen arbeitsrechtlichen Anforderungen bzw. Probleme bei Groß- und Kleintierpraxen einzugehen. Die Forderungen des BaT begrüßt Remien, betont allerdings, dass die Arbeitgeber für die Umsetzung der BaT Standards Zeit benötigen. Zunächst gelte es, den Rahmen des Arbeitszeitgesetzes zu erfüllen.

Dass dem VuK bereits 26 große Kleintierkliniken beigetreten sind, zeige, dass viele Arbeitgeber die aktuellen Probleme (Image großer Kliniken, Verhältnis AG zu AN, persönliche Wertschätzung der Angestellten, modernes Mitarbeitermanagement) erkannt hätten und angehen wollten.

Gehaltsvorstellungen

Laut Arbeitgeberseite können Universitäts-AbsolventInnen in Bewerbungsgesprächen ihre Wünsche und (Gehalts-)Vorstellungen oft nicht formulieren. Inhaber wünschen sich mehr Selbstbewusstsein, die eigenen Qualifikationen und Stärken bei Verhandlungen angemessen einzuschätzen.

Usko als Vertretung der Studierenden dagegen legt den Fokus bei der Stellensuche eher auf zwischenmenschliche Aspekte, Arbeitsklima und persönliche Wertschätzung durch Arbeitgeber und Kollegen.

Die aktuelle Gehaltstabelle des Bpt für Langzeit-Angestellte (5.-6. Berufsjahr 3217-3860€ brutto bei einer 40h- Woche) stößt bei Remien, Wunderlich und einem großen Teil des Auditoriums auf Unverständnis (siehe hierzu Kommentar des BaT). Hellige als Vertretung der Arbeitnehmer beim BpT verteidigt die neuen Empfehlungen als „Mindestangaben“ bzw. „Anhaltspunkte“, denen örtliche sowie praxisorganisatorische Unterschiede zugrunde liegen. Der BaT positioniert sich deutlich gegen die aktuellen Gehaltsempfehlungen: Wunderlich entgegnet, dass ein angestellter Tierarzt mit mehrjähriger Berufserfahrung deutlich mehr erwirtschaften kann und das angegebene Gehalt damit nicht angemessen sei. Remien wünscht sich – da die BpT Empfehlung nach wie vor für die breite Masse leitenden Charakter habe – mehr Entlohnungsehrlichkeit vom BpT. In einem abschließenden Appell sind alle aufgerufen, die GOT einzuhalten, betriebswirtschaftlich zu denken und leistungsgerecht abzurechnen, nur so seien höhere Gehälter auch umsetzbar.

Prekäre Situation auf dem Arbeitsmarkt

Wunderlich, Kröll und Remien sehen die größten Probleme bei der Einhaltung des Arbeitszeitgesetzes. Angestellte fordern bessere und flexiblere Arbeitsbedingungen. Bei Einhalten der gesetzlichen Vorgaben ist für viele Kliniken ein 24/7-Betrieb aber nicht möglich und führt zur Abgabe des Klinikstatus. Trotz Anpassung der Stellenausschreibungen und Gehälter erhielten viele Kliniken kaum Bewerbungen mehr. Hinzu kommen regionale Unterschiede zwischen Stadt und Land. Usko sieht Nacht- und Notdienste – explizit als Frau – nicht als „k.o.- Kriterium“ für eine Stelle, solange diese auch entsprechend vergütet werden (Umfrage von bvvd Partner Evidensia mit 800 Teilnehmern bestätigen diese Aussage). Auch Wunderlich kann aus eigenen Erfahrungen der BaT-Mitglieder die Bereitschaft zum Nacht- und Notdienst bestätigen, jedoch nur zu anständigen Arbeitsbedingungen. Färber und Moog, an den Universitäten als „Ökonomieteam“ tätig, teilten diese Erfahrungen nicht.

Rolle der Tierärztekammern

Ein Teilnehmer nimmt die Tierärztekammern in die Pflicht. Ein anwesender Mitarbeiter der LTK Berlin weist auf die fehlenden finanziellen und personellen Mittel hin. Zudem sei eine Kampagne zur Aufwertung des tierärztlichen Berufsbildes notwendig, professionelle Strukturen und die finanziellen Mittel fehlten jedoch. Das Engagement junger Tierärzte wäre äußerst wichtig – dies unterstützt auch der bvvd und versucht junge Tierärzte für die Berufspolitik zu begeistern.

Lösung Tarifvertrag?

Für Remien und Wunderlich ist ein Tarifvertrag die einzige Lösung. Hierin könnten Arbeitnehmer und Arbeitgeber Gehälter und Arbeitszeiten für ihre Mitglieder festlegen. Der BaT konnte auf seiner Mitgliederversammlung am 12.10.2019 einstimmig die Satzungsänderung zur Tariffähigkeit beschließen. Moog bekräftigt, dass eine Abweichung vom Arbeitszeitgesetz nur in kollektiver Vereinbarung möglich sei und begrüßt deshalb die aktuellen Bemühungen des BaT und VuK – gleichwohl hierfür noch einige verfassungsrechtliche Voraussetzungen, wie die soziale Mächtigkeit erfüllt werden müssen. Um die soziale Mächtigkeit zu gewähren, benötigt der BaT mehr Mitglieder. Die Anregung von Wunderlich, der bpt könne seine angestellten Mitglieder (ca. 2000) motivieren im BaT Mitglied zu werden, um die Bemühungen eines Tarifvertrages voranzutreiben, blieb seitens des BpT unbeantwortet.

Versorgung im Notdienst

Die Qualität der Versorgung von Nutztieren in Deutschland ist sehr von der geografischen Lage abhängig. Im ländlichen Raum ist die Versorgung von Einzeltieren kaum rentabel. Wenn die gesetzlichen Regelungen für Arbeitnehmer eingehalten werden, liegt die Belastung bei den Arbeitgebern – diese sind nicht durch das Arbeitszeitgesetz geschützt. Remien fordert den BpT auf, die Arbeitgeber im BpT zu mobilisieren. Um den Notdienst weiterhin zu gewährleisten, müsse den Arbeitnehmern im Gegenzug etwas angeboten werden. Dazu gehörten neben finanziellem Ausgleich auch weitere „Goodies“ (z.B. Hundetagesstätte/bezahlte Fortbildungen; in anderen Branchen häufig Dienstwagen), genauso wie Wertschätzung, Anerkennung und respektvoller Umgang. Kröll wirft ein, dass die Tiermedizin auch eine Berufspflicht zum Not- und Wochenenddienst hat. Moog appelliert an alle Arbeitnehmer, sehr viel mehr als nur die üblichen Bausteine im Vertrag schriftlich zu regeln, der Verhandlungsspielraum sei da.

Wandel auf dem Arbeitsmarkt

Ein Publikumsbeitrag prangert die „schwarzen Schafe“ mit sehr schlechten Arbeitsbedingungen an, die junge Absolventen verschleißen, woraufhin diese dem praktischen Arbeitsmarkt dauerhaft fernbleiben. Hellige meint, dass sich nur von „unten“ etwas ändern könne. Der Arbeitnehmermangel sei da, Arbeitgeber würden sich heute beim Arbeitnehmer bewerben, der Prozess benötige aber Zeit. Wunderlich motiviert daraufhin die Nutztierpraktiker sich ebenfalls zusammenzuschließen und auf die Missstände hinzuweisen, um dauerhaft etwas zu verändern.

Geht es den Tierärzten noch zu gut?

Offensichtlich ja.

Wie geht es weiter?

  • Praktikanten sind die Arbeitnehmer von morgen. Florian Diel, Geschäftsführer des bvvd, fordert die Arbeitgeber auf, die Ausbildung von Praktikanten ernster zu nehmen – ein Praktikanten-Leitfaden ist bereits mit dem VuK erarbeitet. Auch Hellige erarbeitet mit dem Arbeitskreis dazu schon ein Papier für Berufsanfänger.
  • Missstände müssen gemeinschaftlich bewältigt werden.
  • Die GOT muss konsequent umgesetzt werden.
  • Die Tiermedizin als freier Beruf muss verteidigt werden. Dr. Remien sieht diesen stark durch die Corporates (Geschäftsziel Rendite) bedroht
  • Mehr angestellte Tierärztinnen und Tierärzte sollten die Bemühungen des BaT unterstützen, um schnellstmöglich einen Tarifvertrag zu etablieren

Bund angestellter Tierärzte e.V. nimmt Stellung zur Empfehlung des bpt Arbeitskreises Angestellte Tierärzte zur Entlohnung von langfristig angestellen Tierärztinnen und Tierärzten

Im Rahmen der diesjährigen Delegiertenversammlung des bpt wurde im Oktober in München unter anderem über die Gehaltsempfehlungen für langfristig angestellte Tierärztinnen und Tierärzte abgestimmt. Die vorbereitende Arbeit für die Empfehlung oblag dem Arbeitskreis „Angestellter Tierärzte“ des bpt, der paritätisch aus Arbeitnehmern und Arbeitgebern besteht, und dessen Vorschläge einstimmig der Delegiertenversammlung vorgelegt werden müssen. Laut internen Informationen hatte es hier ein hartes Ringen gegeben und am Ende war die Stimme der Arbeitgeber lauter.

Im Folgenden findet sich der Wortlaut der Empfehlungen sowie die Stellungnahme des BaT.

 

Mindestgehaltsempfehlungen für langfristig angestellte Tierärztinnen und Tierärzte – bpt – Oktober 2019

1.Berufsjahre

Die Höhe des Bruttomindestgehaltes richtet sich nach der Anzahl der Berufsjahre. Die Berufsjahre zählen ab dem ersten Monat nach der Approbation, in dem die Tierärztin/der Tierarzt in einem Angestelltenverhältnis steht.

Teilzeitarbeitsverhältnisse mit einer Arbeitszeit von 20 und weniger Wochenstunden sind zur Hälfte auf die Berufsjahre anzurechnen. Teilzeitarbeitsverhältnisse mit mehr als 20 Wochenstunden sind voll auf die Berufsjahre anzurechnen. Zeiten, in denen das Arbeitsverhältnis auf Grund der Inanspruchnahme gesetzlicher Eltern- zeiten ruht, sind nicht berücksichtigungsfähig.

Stellungsnahme des BaT:

Diese Regelungen verschaffen Tierärztinnen signifikante Nachteile:

  1. Das gesetzlich vorgeschriebene Berufsverbot (Mutterschutzgesetz) zwingt die Frauen, die praktische Tätigkeit zeitweilig ruhen zu lassen – dies ist keine „Kann Regelung“, sondern eine gesetzlich vorgeschriebene Regelung, für die weder kurzfristig noch langfristig ein Nachteil für die Frau entstehen darf.
  2. Wenn -wie vom bpt gefordert- innerhalb des geltenden Berufsverbots die Zeiten von Mutterschutz, Still-, und Elternzeit nicht auf die Berufsjahre angerechnet werden, wird eine Frau nach der Babypause aufgrund von
  • notwendig gewordener Teilzeitarbeit
  • Halbierung des Gehaltes von Voll- auf Teilzeit plus Verluste durch nicht anerkannte Berufsjahre unterhalb ihres Existenzniveaus für sich und Kind arbeiten müssen und keine Aussicht auf eine Verbesserung ihres Einkommens haben. Die halbierte Anrechnung der Teilzeitarbeit verwehrt ihr entsprechend zügige Weiterentwicklung.

Fazit: Die Feminisierung des tierärztlichen Berufes erfordert dringend einen wertschätzenderen Umgang mit den Tierärztinnen. Mit dieser Regelung bestraft man die Frau nachhaltig für die Gründung einer Familie, was ethisch und moralisch mehr als verwerflich ist. Ebenso wird sich bei Inbezugnahme o.g. Forderung kein Arbeitgeber mehr wundern müssen, warum die weiblichen Angestellten die Rückkehr in den Beruf nicht mehr anstreben und weshalb bereits Studienabgängerinnen den direkten Weg in die paraklinischen Berufszweige wählen.

Der bpt hat mit dieser Forderung noch einmal Öl ins Feuer beim Thema „Frauen in der Tiermedizin“ gegossen und das Thema der Feminisierung somit weiterhin als „Problem“ gebrandmarkt. Diesem Thema mit weiteren Restriktionen und Benachteiligungen zu begegnen, ist nach Meinung des BaT nicht zielführend und wird daher entschieden abgelehnt.

Stattdessen wird es für selbstverständlich erachtet, dass die Berufsjahre der sich zwangsläufig im Berufsverbot oder in Elternzeit befindlichen Mütter voll auf das beschriebene Vergütungsmodell angerechnet werden.

Für sinnvoll und wertschätzend erachtet der BaT weiterhin, dass beispielsweise die Fortbildungspflicht für o.g. Personen nicht erlischt und somit die fachliche Qualifikation der weiblichen Angestellten auch während der Babypause gesichert- und ggf. sogar ausgebaut  wird.

Ziel ist es, dass den Tierärztinnen durch eine Babypause keine kurz- und langfristigen Nachteile im Berufsleben und im anschließenden Alter entstehen, dass sie „trotz Baby“ jederzeit selbstständig existenzfähig bleiben können und ein angemessenes Lebensniveau im Sinne eines akademischen Berufes führen können. 

 

2.Gehaltstabelle

Die Tätigkeitsgruppe I entspricht dem Grundgehalt für Tierärzte/innen. Die einzelnen Tätigkeitsgruppen unterscheiden sich jeweils um 10% Zuschlag.

Die Eingruppierung in die einzelnen Tätigkeitsgruppen erfolgt nach Fähigkeiten und Ausbildungsstand der/des angestellten Tierärztin/Tierarztes. Ebenso kann die Übernahme von praxisorganisatorischen Tätigkeiten bei der Eingruppierung in die Tätigkeitsgruppen herangezogen werden. Die Eingruppierung erfolgt durch den Arbeitgeber nach einem Mitarbeitergespräch. Stufenlose Übergänge zwischen den einzelnen Tätigkeitsgruppen sind möglich.

Folgende Tätigkeiten können bei der Eingruppierung berücksichtigt werden. Es handelt sich hierbei um eine Beispielliste, welche entsprechend der jeweiligen Praxisstruktur erweitert und angepasst werden kann.

Tätigkeitsgruppe I Grundgehalt

  • Selbständige Ausführung der kleinen Chirurgie wie z.B. Kastration Kater, Kastration Kätzin, Kastration Rüde, Wundversorgung

Tätigkeitsgruppe II

  • Selbständige Ausführung der Bauchchirurgie, Kaiserschnitt, Pyometra, Milzextirpation, Magendrehung
  • Labmagenoperation
  • Kastration Hengst
  • Bestandsbetreuung

Tätigkeitsgruppe III

  • Knochenchirurgie, Gelenkchirurgie, Zwerchfellhernie
  • Kolikchirurgie

Beispiele für praxisorganisatorische Tätigkeiten, welche ebenso eine zusätzliche Höhergruppierung ermöglichen können, sind:

  • Strahlenschutzbeauftragte/r
  • Qualitätsmanagementbeauftragte/r
  • Verantwortliche/r für Dienstplanerstellung
  • GVP-Zertifizierungsbeauftragte/r
  • Hygienebeauftragte/r
  • Beteiligung am Notdienst
  • Arbeitssicherheitsbeauftragte/r

Stellungsnahme des BaT:

10% Zuschlag für die Tätigkeiten der Gruppe II betrachtet der BaT als zu niedrig.

Begründung: Mit den vom bpt angeführten Eingriffen sind vor allem Notfalloperationen gemeint, die weitaus mehr „Können“ verlangen, als die unten dargestellte reine Beherrschung der jeweiligen OP-Technik. Zur erfolgreichen Durchführung dieser Eingriffe ist eine adäquate Voruntersuchung mit schneller und sicherer Diagnosefindung notwendig. Dazu zählen neben der sicheren klinischen Untersuchung die Beherrschung der jeweiligen Röntgen-, und Ultraschalltechnik, die Laborinterpretation, eine präanästhetische Schockbehandlung inklusive Einschätzung des Patienten hinsichtlich Narkosefähigkeit, die Durchführung der an den Kreislaufzustand angepassten Notfallanästhesie bzw. die Einweisung/Überwachung des ausführenden Hilfspersonals während der OP, die postoperative medikamentöse Versorgung und Intensivüberwachung.

Der Tierarzt muss jederzeit allein und selbstverantwortlich handeln können und oben beschriebene Maßnahmen allzeit souverän beherrschen, um solch einer Notfallsituation inklusive der notwendigen rechtlichen Besitzeraufklärung gewachsen zu sein.

Für das Management solcher Situationen ist ein hohes Maß an Routine, sicherem Einschätzungsvermögen des Patienten, führendem Handeln im Sinne der Beratung des Patientenbesitzers notwendig, welches sich nicht in einer „Gehaltssteigerung“ von 10% wiederspiegelt.

3.Mindestgehaltsempfehlung in EUR

Die Tabelle versteht sich als Auflistung von Bruttomonatsgehältern auf Grundlage einer 40-h- Arbeitswoche ohne Überstunden mit exakter Arbeitszeiterfassung. Jede zusätzlich geleistete Arbeitsstunde wird zusätzlich mit einem 173tel des Bruttomonatsgehaltes vergütet. Das bpt-Prämienmodell wird als Alternative ebenfalls empfohlen (siehe bpt-Website). Diese Gehaltsempfehlungen werden regelmäßig angepasst.

Stellungsnahme des BaT:

Wir verweisen auf die BaT Standards, die der annähernden Deckung der Lebenshaltungskosten im 21. Jahrhundert sowohl in Nord-, West-, Süd-, und Ostdeutschland dienen und die einer drohenden Altersarmut unseres akademischen Berufsstandes durch die hier vorgeschlagenen Gehaltsempfehlungen vorbeugen sollen.

Für die Festlegung der Gehaltssteigerung für Tierärzte wurde vom bpt der Tarifvertrag für TFA´s herangezogen. Dieses als „Grundlagenmodell“ für Tierärzte zu verwenden, ist vor dem Hintergrund des von Vornherein limitierten Aufgabenbereiches einer TFA grundlegend falsch. Die Weiterentwicklung der TFA in ihrem Arbeitsgebiet bleibt allzeit vorhersehbar und ist hinsichtlich der praktischen Fähigkeiten, theoretischen Kenntnissen, Eigenverantwortlichkeit und Führungsanspruch in keinster Weise mit dem tierärztlichen Beruf zu vergleichen. Siehe vergleichend die Gegenüberstellung von Empfehlungen des bpt, der BTK und des BaT mit Gehältern in Euro für eine 40-Stundenwoche.

4.Erläuterungen

  1. Notdienst ist als zusätzliche Arbeitszeit zu berücksichtigen und wie Überstunden mit 1/173 des Bruttomonatsgehaltes pro Stunde zu entlohnen. Auf diese Arbeitszeiten sind Zuschläge (z.B. Nachtzuschläge) zusätzlich zu berücksichtigen.
  2. Fortbildung
    Hier wird auf die Ausführungen des bpt durch Herrn Panek verwiesen. Es gibt zwar eine Fortbildungspflicht für Tierärzte/innen, aber keine gesetzliche Regelung, inwieweit sich der Arbeitgeber an den Kosten hierfür zu beteiligen hat. Es wird daher empfohlen, diese Frage mit betrieblichen Vereinbarungen zu regeln.
  3. Eingruppierung
    Die regelmäßige Durchführung jährlicher Mitarbeitergespräche wird ausdrücklich empfohlen, um den Vorgang der Eingruppierung für die/den angestellte/n Tierärztin / Tierarzt transparent zu machen. Die Eingruppierung erfolgt immer unter Berücksichtigung aller für die Praxis/Klinik relevanten Tätigkeiten.
  4. Regionale Unterschiede – Die genannten Gehaltsempfehlungen sind Mindestgehaltsempfehlungen. In Regionen mit höheren Lebenshaltungskosten können beispielsweise prozentuale Zuschläge gezahlt werden. Ebenso sind die Zahlung eines Weihnachtsgeldes und/oder Urlaubsgeldes oder Zuschüsse zur Fortbildung geeignet, die regionalen Besonderheiten zu berücksichtigen.
  5. Die der Gehaltstabelle zugrunde liegenden Gehaltssteigerungen auf Grund der Berufsjahre orientieren sich an vergleichbaren Tarifverträgen wie zum Beispiel dem Gehaltstarifvertrag für tiermedizinische Fachangestellte.

Um kurz- sowie langfristig die Situation für angestellte Tierärztinnen und Tierärzte in Deutschland zu verbessern, setzt sich der BaT lautstark für eine wertschätzende Behandlung und eben auch Vergütung von angestellten Tierärztinnen und Tierärzten ein. Um noch mehr zu erreichen, brauchen wir auch DICH als Mitglied.