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Die Beschlüsse des Arbeitskreises 1 „Kleintierpraxis 2030“ des 28. Deutschen Tierärztetages aus Sicht des angestellten Tierarztes

Die Beschlüsse des Arbeitskreises 1 „Kleintierpraxis 2030“ des 28. Deutschen Tierärztetages aus Sicht des angestellten Tierarztes

Am 13.9.2018 diskutierten Tierärztinnen und Tierärzte anlässlich des Deutschen Tierärztetages in Dresden über die Zukunft unseres Berufsstandes.

Unter dem Motto „Tiermedizin 2030“ wurden in 3 Arbeitskreisen (Kleintierpraxis, Nutztierpraxis, Amtstierarzt) Empfehlungen erarbeitet und Forderungen formuliert, um die Tiermedizin zukunftsfähig aufzustellen.

Veränderte strukturelle, gesellschaftliche und politische Rahmenbedingungen stellen große Herausforderungen dar:

Der Generationenwandel, die Feminisierung des Berufes, die Vereinbarkeit von Beruf und Familie, die veraltete GOT, die Finanzierung des Notdienstes, die Pflicht zur Einhaltung geltender Gesetze (Arbeitszeit- und Mutterschutzgesetz) und das wachsende Anspruchsdenken der Tierhalter fordern ein Umdenken und neue Lösungsansätze.

Unter der Leitung des Präsidenten der Bundestierärztekammer Herrn Dr. Uwe Tiedemann wurden am 14.9.2018 die Entwürfe der Arbeitskreise der Hauptversammlung vorgestellt, diskutiert und von den Delegierten der Landestierärztekammern verabschiedet.

Der Arbeitskreis „Kleintierpraxis“ stellte folgende Forderungen auf:

  1. Ein verpflichtendes berufsvorbereitendes Praktikum ist einzuführen

Dieses erscheint sinnvoll, um im Vorfeld ein realistisches Bild des angestrebten Berufes zu erhalten, um Enttäuschungen im Studium und Berufsleben zu verhindern und geeignete Kandidaten zu finden.

  1. Die Gebührenordnung für Tierärzte (GOT) ist unverzüglich zu evaluieren und anzupassen

Die geltende GOT wird der modernen Tiermedizin nicht gerecht, sie muss dringend überarbeitet werden. Alternativ wurde über die Abschaffung der GOT und andere  Abrechnungsmöglichkeiten diskutiert, z.B. eine Honorarabrechnung auf Basis eines Stundensatzes, wie sie sich bereits in anderen Ländern (z.B. Österreich) bewährt hat.

Auch für angestellte Tierärzte ist eine angemessene Abrechnung der tierärztlichen Leistungen essentiell, da nur so adäquate Löhne bezahlt werden können.

  1. Eine neue Gebührenposition „Notdienstgebühr“ ist in die GOT einzuführen

In der Vergangenheit wurde der tierärztliche Notdienst besonders in Kliniken oft auf Kosten der angestellten Tierärzte geregelt. Unzureichend bezahlte, überlange Dienste waren die Folge. Seitdem der Gesetzgeber diesem Geschäftsmodell mit Einführung des Mindestlohngesetzes und verstärkten Kontrollen auch des Arbeitszeitgesetzes einen Riegel vorgeschoben hat, geben viele Inhaber ihren Klinikstatus auf.

Es braucht neue Lösungen, um eine tierschutzgerechte Versorgung außerhalb der Sprechstunde zu gewährleisten. Den Notdienst müssen die Tierhalter finanzieren.

Neben der „Türaufsperrgebühr“ als feste GOT-Position, wurden eine „Konsultationsgebühr“, eine „Klinikumlage“, mit der die umliegenden Praxen sich vom Notdienst „freikaufen“ und die Einrichtung reiner „Notdienstpraxen“ diskutiert.

Da es sich erfahrungsgemäß nur bei 20% der Patienten um echte Notfälle handelt, könnte eine „Tierärztliche Einsatzleitstelle“ Bagatell- und Routinefälle im Vorfeld herausfiltern.

  1. Tierhaltern wird der Abschluss einer Tierkrankenversicherung empfohlen

In Deutschland ist bisher nur ca. 1 % der Tiere krankenversichert. Durch eine Steigerung der Anzahl versicherter Patienten können Praxisinhaber und Angestellte sichere Einnahmen generieren. Die oft herrschende Diskrepanz zwischen Anspruchsdenken der Tierhalter und ihren finanziellen Möglichkeiten kann überbrückt und eine Optimierung der Versorgung im Sinne der Tiere erreicht werden.

  1. Flexibilisierung des Arbeitszeitgesetzes für tiermedizinische Einrichtungen

Dieser Punkt wurde ebenso wie die Punkte 6 und 7 im Arbeitskreis aus Zeitgründen nicht  abschließend ausdiskutiert und tauchte in dem vorformulierten Positionspapier zunächst noch mit der schärferen Formulierung „Änderung des Arbeitsgesetzes…“ auf. In der Hauptversammlung versprach Dr. Uwe Tiedemann sich auf politischer Ebene dafür stark zu machen.

Für angestellte Tierärzte ist eine Aufweichung des Arbeitszeitgesetztes nicht wünschenswert.

Um dem mit starren Gesetzen schwer zu regelnden Arbeitsalltag von Tiermedizinern gerecht zu werden, braucht es zweifelsohne Sonderregelungen, die aber mit anderen Instrumenten, wie Tarifverträgen für diese Berufsgruppe besser zu lösen sind. Gesetze müssen für alle gelten. Auch für Tierärzte.

6.Beteiligung der Tierärzte bei der Ausgestaltung des neuen Mutterschutzgesetzes

Zunächst war im Entwurf von „Aufweichungen des Mutterschutzgesetzes“ die Rede. Durch Einwände verschiedener Delegierter wurde der Punkt glücklicherweise umformuliert.

Eine „Verschlechterung“ des Mutterschutzes bei Tierärztinnen im Vergleich zu anderen Berufsgruppen und ein Ausscheren der Tierärzteschaft aus gültigem Recht kann nicht das Ziel sein. Damit würden sich Tierarztpraxen als unattraktive Arbeitgeber beim raren (überwiegend weiblichen) Nachwuchs noch mehr ins Abseits katapultieren.

Natürlich ist es für Praxisinhaber schwierig, wenn Mitarbeiterinnen, womöglich zeitgleich, ausfallen, weil sie schwanger sind. Es bedarf anderer Lösungen, um schwangere Kolleginnen weiter in risikoarmen Bereichen beschäftigen zu können.

  1. Kinderbetreuung angelehnt an flexible Arbeitszeiten

Zweifelsohne eine sinnvolle Forderung, die vielleicht nicht flächendeckend zu verwirklichen ist, aber unbedingt einen höheren Stellenwert als bisher verdient.

Karriere in der Tiermedizin muss auch mit Kindern und in Teilzeit möglich werden. Es kann nicht mehr ausschließlich das private Problem der Mütter sein, diesen Spagat zu schaffen.

Für den BaT war in Leipzig vor Ort und hat mitdiskutiert: Dr. Elisabeth Brandebusemeyer, BaT Gremium Öffentlichkeitsarbeit

Einen Kommentar zu den Beschlüssen lesen Sie hier: Kommentar zu den Beschlüssen des Arbeitskreises 1 „Kleintierpraxis 2030“ des  28. Deutschen Tierärztetages in Dresden

Ein Tarifvertrag in der Tiermedizin?! Vorteile für Arbeitgeber und Arbeitnehmer

Ein Tarifvertrag in der Tiermedizin?! Vorteile für Arbeitgeber und Arbeitnehmer

Im Hinblick auf den deutschen Tierärztetag 2018, dort stattfindender verschiedener Zukunftsworkshops zur tierärztlichen Tätigkeit 2030 und der Gefährdung der tierärztlichen Versorgung im Notdienst, sollten Arbeitgeber und Arbeitnehmer in der Tiermedizin ins Grübeln kommen. Sind aktuelle Strukturen in der Tiermedizin noch zielführend oder ist ein Umdenken erforderlich?! Folgender Text stellt die verschiedenen Aspekte der Thematik Tarifvertrag dar.

Definition Tarifvertrag

In einem Tarifvertrag werden die Inhalte und Bedingungen von Arbeitsverhältnissen innerhalb einer Branche (sog. Flächentarifvertrag) oder eines Unternehmens (sog. Firmentarifvertrag) festgelegt. Er wird zwischen zwei Tarifparteien, nämlich einer Arbeitgebervereinigung und einer Arbeitnehmervereinigung (Gewerkschaft) auf Basis des Arbeitsrechts geschlossen. Dem Prinzip der Tarifautonomie folgend, nimmt der Staat dabei keinen Einfluss. Die Einhaltung der Vereinbarungen erfolgt unmittelbar und zwingend sobald ein Arbeitsverhältnis vertraglich abgeschlossen wird, sofern beide Parteien Mitglied in der entsprechenden Vereinigung sind. Endet der Tarifvertrag, gelten die Arbeitsbedingungen für die Angestellten noch so lange weiter, bis eine neue Vereinbarung getroffen ist. Unter bestimmten, sehr klar definierten, Bedingungen können Tarifverträge vom Bundesministerium für Arbeit und Soziales auch für allgemeinverbindlich (und damit unabhängig von Mitgliedschaften) erklärt werden.

Situation in der (Tier-)Medizin

Für die Humanmedizin gibt es bereits seit 1947 den Marburger Bund als Interessensvertretung der angestellten Ärzte. Zahlreiche Tarifverträge zwischen dem Marburger Bund und Universitätskliniken, kommunalen Krankenhäusern und Privatkliniken regeln die Arbeitsbedingungen von Ärzten.

Während die Arbeitsverhältnisse der tiermedizinischen Fachangestellten über die Tarifverträge des Verbandes medizinischer Fachberufe e.V. geregelt werden, gibt es für Tierärzte bislang keine Tarifverträge, keine Gewerkschaft und auch keine reine Arbeitgebervereinigung. Der überwiegende Teil der niedergelassenen Tierärzte arbeitet in Einzelpraxen mit wenigen Mitarbeitern und nur ein kleiner Teil der insgesamt praktisch tätigen Tierärzte arbeitet in großen Kliniken. Die Bildung von Betriebsräten, die in großen Unternehmen auch ohne Tarifvertrag die Arbeitsbedingungen der Mitarbeiter nachhaltig beeinflussen können, scheint daher für die Tiermedizin weniger geeignet und ist ebenfalls in der Tiermedizin wenig bekannt.

Vorteile für Arbeitgeber

Für Arbeitgeber ergeben sich aus einem Tarifvertrag entscheidende Vorteile. Sie haben für den Zeitraum der Laufzeit des Tarifvertrages finanzielle Planungssicherheit, d.h. die anfallenden Personal- und Betriebskosten können exakt berechnet werden. Einheitliche, wettbewerbsfähige Regelungen z.B. zur Qualifikation der Mitarbeiter oder zu Betriebsinvestitionen können v.a. in Tarifverträgen mit mehrjähriger Laufzeit festgelegt werden. Aus dem Wegfall von Einzelverhandlungen mit Arbeitnehmern resultieren Zeit- und Arbeitsersparnis und ein verbessertes Betriebsklima, da für alle Mitarbeiter dieselben Arbeitsbedingungen gelten. Flächentarifverträge sorgen zudem für einen fairen und sozialen Interessensausgleich in der gesamten Branche. Besonders interessant für die Tiermedizin dürften die Öffnungsklauseln sein, die die Umgestaltung der gesetzlichen Vorgaben und die Anpassung an die jeweilige Tätigkeit ermöglichen (z.B. Pausenzeiten, Ruhezeiten im Notdienst). Mitglieder eines Arbeitgeberverbandes haben zudem Anspruch auf Beratung, z.B. in Belangen des Arbeitsrechtes. Nicht zuletzt haben Betriebe, in denen die Tarifbedingungen gelten, eine positive Ausstrahlung auf Bewerber. Verlässliche und faire Arbeitsbedingungen fördern die Bindung eines Mitarbeiters an einen Betrieb, die Identifizierung mit dem Arbeitsplatz und dadurch auch Leistungsbereitschaft, Verantwortungsgefühl und Wohlbefinden am Arbeitsplatz.

Vorteile für Arbeitnehmer

Auch und vor allem für Arbeitnehmer, die schwächeren Vertragspartner, hat ein Tarifvertrag bedeutende Vorteile. Die Zugehörigkeit zu einer Interessensvertretung stärkt die Verhandlungsposition der Arbeitnehmer und erhöht die Durchsetzungskraft bei der Verbesserung von Arbeitsbedingungen. Der einzelne Angestellte muss selbst keine Gehaltsverhandlungen führen oder andere Arbeitsbedingungen mit seinem Arbeitgeber aushandeln. Gerade angestellte Tierärzte könnten hiervon maßgeblich profitieren, weil es bislang sehr große Schwankungen bei den vertraglich festgelegten Arbeitsbedingungen gibt. Die Bindung an den Tarifvertrag reduziert Neid und Missgunst unter den Mitarbeitern eines Betriebes, da die vorgegebenen Bedingungen für alle klar und transparent sind. Durch die Bindung an den Tarifvertrag kann sich der Angestellte auf die vereinbarten Rahmenbedingungen, z.B. zu Gehalt, Notdienstregelungen, Urlaubsanspruch und Kündigungsfrist verlassen, was ihm private Planungssicherheit verschafft. Bereits bei der Arbeitssuche oder sogar der Wahl eines Berufes weiß ein Bewerber worauf er sich einstellen kann. Ist der Arbeitnehmer in Anstellung, schützt ihn der Tarifvertrag vor einem plötzlichen Wechsel seiner Arbeitsbedingungen. Nicht zuletzt sind faire, geregelte und verlässliche Arbeitsbedingungen die Basis für Leistungsbereitschaft, Bindung an den Arbeitsplatz und Zufriedenheit im Beruf.

Aktuelle Situation und Ausblick

Aus den oben genannten Ausführungen wird deutlich, dass ein Tarifvertrag zahlreiche Vorteile für beide Seiten, Arbeitgeber und Arbeitnehmer mit sich bringt. In vielen Branchen hat sich die Anstellung nach Tarifvertrag seit vielen Jahrzehnten bewährt.

Viele Tierärzte sind mit der aktuellen Arbeitsmarktsituation in der Tiermedizin unzufrieden. Die Praxisinhaber und Arbeitgeber auf der einen Seite beklagen mangelnde Einsatzbereitschaft und hohe Ansprüche der jungen Kollegen. Sie haben, v.a. im ländlichen Raum vermehrt Schwierigkeiten offene Stellen zu besetzen. Auf der anderen Seite setzen junge Arbeitnehmer*innen (der Anteil an Frauen in der Tiermedizin steigt stetig) heute andere Prioritäten bei der Arbeitswahl und sind nicht mehr bereit bestehende Arbeitsbedingungen (häufig lange Arbeitstage, wenig Wertschätzung, unbezahlte Notdienste, geringes Einkommen) zu akzeptieren.

Diese Diskrepanz gilt es aufzugreifen und zu diskutieren. Digitalisierung, Globalisierung, demografischer Wandel, work-life-balance, flexible Arbeitszeitmodelle, Teilzeit, Vereinbarkeit von Beruf und Familie, Notdienstregelungen, Praxismanagement, Führungsqualitäten und wirtschaftliche Grundlagen sind Themenbereiche, die die Entwicklung des tierärztlichen Berufsstandes der Zukunft beschäftigen (müssen) und prägen. Der Schritt in Richtung Tarifvertrag, mit der Chance auf Festlegung zeitgemäßer und fairer Standards für beide Parteien könnte die Tiermedizin hier in eine langfristig stabilere Arbeitsmarktsituation bringen.

Copyright: Dr. med. vet. Maria Aulmann

Quellenangaben

https://www.tieraerzteverband.de/bpt/Inhaber/tfa/13-index-tfa.php

https://www.arbeitgeber.de/www/arbeitgeber.nsf/res/Vorteile-Tarifvertrag.pdf/$file/Vorteile-Tarifvertrag.pdf

https://www.absolventa.de/karriereguide/vertragsarten/tarifvertrag

https://www.vmf-online.de/http://www.dgb.de/

https://de.wikipedia.org/wiki/Tarifvertrag

http://www.dgb.de/

https://www.finanztip.de/tarifvertrag/

https://www.marburger-bund.de/der-marburger-bund

http://www.bmas.de/DE/Themen/Arbeitsrecht/Tarifvertraege/tarifvertraege.html

Tarifvertrag für Tierärzte – der Weg ist noch lang

https://vetline.de/lange-arbeitszeiten-geringes-einkommen-und-unzufriedenheit-gegenueberstellung-der-situation-praktizierender-tiermediziner-mit-vergleichbaren-berufsgruppen-der-deutschen-bevoelkerung/150/3216/101334/

Tierärztlicher Notdienst: Arbeitsrechtliche Zeitbombe mit Image-Sprengstoff

Tierarztgehalt: Flop-Beruf für Akademiker?

https://www.deutsches-tieraerzteblatt.de/fileadmin/resources/Bilder/DTBL_10_2017/PDFs/DTBl_10_2017_Forum_Berufszufriedenheit.pdf

https://www.bundestieraerztekammer.de/btk/statistik/

Einladung zur öffentlichen Diskussion über die BaT-Standards am 14.06.2018 um 19 Uhr c.t.

Im Januar 2018 hat der BaT e.V. seine Standards für Arbeitsverhältnisse veröffentlicht.

Hiermit laden wir alle Interessierte ein, sich im Rahmen eines öffentlichen Webinares am 14.06.2018 um 19 Uhr c.t. intensiver mit den erarbeiteten Empfehlungen auseinanderzusetzen.

Es geht in diesem Webinar nicht um eine genaue inhaltliche Vorstellung, sondern wir möchten mit Ihnen die Inhalte diskutieren. Der Vorstand des BaT steht entsprechend für Fragen und Anregungen zur Verfügung.

Wir würden uns sehr freuen, wenn auch Arbeitgeber an der Diskussion teilnehmen.

Zugang zum Webinar unter folgendem Link (Voraussetzung Installation AdobeConnect oder Nutzung GoogleChrome): https://webconf.vc.dfn.de/ryp2cc6jtew0/

Bei Fragen bitte eine Mail an info@bundangestelltertieraerzte.de senden!

Eintritt der Vetevo GmbH in den tierärztlichen Markt – Vor- und Nachteile für Tierärzt*innen, insbesondere für angestellte Tierärzt*innen in den teilnehmenden Praxen

Wer ist die Firma Vetevo?

Die Vetevo GmbH ist ein 2016 gegründetes und in Berlin ansässiges Unternehmen, das als Schnittstelle zwischen Tierbesitzern und Tierärzten fungiert. Die Mitarbeiter von Vetevo übernehmen dabei die telefonische Beratung vor und nach einer Behandlung, empfehlen Partner-Tierärzte in der Nähe der Kunden, vereinbaren den Termin und stellen die Rechnung. In einer App gibt es dazu eine digitale Patientenakte. Das Unternehmen möchte Menschen ansprechen, die den Kontakt über das Internet bzw. eine App bevorzugen, eine ausführliche telefonische Beratung wünschen und vor dem Gang zum Tierarzt eine Einschätzung der gesundheitlichen Situation wünschen. Dabei wird Vetevo von Google fälschlicherweise als „Tierarzt in Berlin“ bezeichnet.

Vorteile und Chancen

Vetevo versucht, diejenigen Tierbesitzer zu erreichen, die sich noch nicht zu einem Tierarztbesuch entschlossen haben. Über ein unverbindliches telefonisches Informationsgespräch werden Tierbesitzer ermutigt, medizinische Leistungen in Anspruch zu nehmen. Dies könnte eine Nische erschließen, da der Gang ins Internet und der Austausch in Internetforen immer selbstverständlicher der erste Schritt jeder Informationsquelle wird.

Vetevo betont, dass die Preisgestaltung sich nach der GOT richtet und die Rechnungsstellung am Ende jeder Behandlung im Ermessen des Tierarztes liegt. Die Tierarztpraxis bleibt so in Ihrer Preisgestaltung unabhängig, hat aber die Chance, durch Vetevo einen neuen Kundenstamm zu gewinnen, der vorher nicht erreicht wurde.

Vorteil einer Zusammenarbeit mit Vetevo könnte möglicherweise auch eine Zeitersparnis bei der Behandlung durch geringeren Beratungsbedarf auf Seiten des Tierbesitzers sein. Dies darf selbstverständlich niemals die allgemeine Untersuchung des Patienten und das individuelle Beratungsgespräch durch den behandelnden Tierarzt ersetzen. Sollte sich aber bewahrheiten, dass Tierbesitzer besser informiert und ohne große Sorgen und Nöte in die Praxis kommen, könnte das langfristig einem zeitlich besser planbaren Ablauf in der Praxis zuträglich sein. Die digitale Patientenakte ist ebenfalls als Zugewinn zugunsten eines fortschrittlichen Patientenmanagements zu sehen und kann die Zusammenarbeit zwischen den Haustierärzten und Überweisungskliniken vereinfachen. Möglicherweise könnte auch die Regelung von Außenständen zukünftig übernommen werden; entsprechend bekannte Kunden würden dann nicht mehr vermittelt und ähnlich wie bei Verrechnungsstellen könnte die Abwicklung der Rechnungsstellung übernommen werden.

Direkte Vorteile für angestellte Tierärzte sind nicht sofort ersichtlich. Angestellte Tierärzte können aber bei einem Wechsel des Arbeitsplatzes innerhalb Deutschlands oder dem Weg in die Selbstständigkeit davon profitieren, bei Vetevo bekannt zu sein und darum weiterhin empfohlen zu werden. Wünschenswert wäre eine noch intensivere Qualitätsprüfung der beteiligten Tierarztpraxen, die die Arbeitszeiten der Mitarbeiter in Einklang mit dem Arbeitszeitgesetz sowie eine angemessene Bezahlung der angestellten Tierärzte miteinschließt. Dies würde die Glaubwürdigkeit der von Vetevo zugesicherten hohen Arbeitsqualität erhöhen und käme nicht zuletzt auch dem Patienten zugute.

Nachteile und Risiken

Wie uns Frau Mareile Wölwer, Gründerin und Geschäftsführerin der Vetevo GmbH in einer schriftlichen Stellungnahme mitteilt, besteht das ca. 20köpfige, multidisziplinäre Team aus Mitarbeitern verschiedener Fachbereiche: Tiermedizin (Tierärzte, TFAs), IT, Marketing und BWL, das prozentuale Verhältnis liegt uns nicht vor. Frau Wölwer selbst ist in einem landwirtschaftlichen Umfeld aufgewachsen und studierte Management.

Der Service von Vetevo besteht in der Beratung und Betreuung von Tierbesitzern vor und nach einem Tierarztbesuch. Es ist dabei als sehr kritisch anzusehen, dass Leistungen wie telefonische Anamnese-Erhebung, Empfehlung bestimmter Behandlungs-Methoden und Anleitungen zur Verabreichung von Medikamenten durch fachfremde Mitarbeiter, sog. „Behandlungsexperten“ erfolgt. Die „Behandlungsexperten“ werden zwar laut Stellungnahme regelmäßig in einigen medizinischen Disziplinen geschult, durch wen diese Schulungen erfolgen wird jedoch nicht weiter ausgeführt. Die Anamnese-Erhebung und die Empfehlung einer bestimmten Behandlung ist in der Tierarztpraxis dem Tierarzt, der ein knapp 6jähriges Studium absolviert hat, vorbehalten. Auch tiermedizinische Fachangestellte dürfen Beratungen nur zu bestimmten Themengebieten, wie z.B. der Ernährung kranker Patienten durchführen.

Die durch Vetevo erfolgende Beratung der Patientenbesitzer birgt das Risiko, dass die Kunden mit einer vorgefertigten Meinung in die Tierarztpraxis kommen. Der Tiergesundheitsmarkt ist für Tierbesitzer schon seit dem Eintreten von Tierheilpraktikern unübersichtlich geworden. Durch selbst ernannte „Behandlungsexperten“ und die Aufschrift „Moderne Tiermedizin für Ihren Vierbeiner“ auf der Startseite der Vetevo-Website wird dem Tierbesitzer fachliche Expertise suggeriert, die wahrscheinlich so nicht vorhanden ist. Die Aufklärung durch einen Dritten kann nicht die vollständige Kommunikation mit dem Tierbesitzer ersetzen. Selbstverständlich muss der behandelnde Tierarzt nach wie vor und rechtskonform vor einer Behandlung den Patienten untersuchen, davon die weitere Behandlung abhängig machen und nach der Befunderhebung den Patientenbesitzer darüber aufklären. Es ist nicht möglich, als reiner Dienstleister für ein Unternehmen wie Vetevo lediglich einen Auftrag wie beispielsweise eine Kastration durchzuführen. Jeder Eingriff benötigt eine Indikation und ein individuelles Vorgehen, was beides niemals vollständig durch einen „Behandlungsexperten“ am Telefon beurteilt werden kann.

Vetevo betont, auf Qualität und nicht auf Preis zu setzen. Da der Kunde die Dienste von Vetevo UND die Tierarztrechnung zu bezahlen hat, bleibt abzuwarten ob der Kunde mittelfristig dazu bereit ist. Kritisch muss im Auge behalten werden, dass durch Vetevo erstellte Kostenvoranschläge niemals zu einer Preisbindung des Tierarztes oder gar Preisdumping führen dürfen. Wichtig ist weiterhin, dass mögliche ökonomische Optimierungen nicht auf dem Rücken der angestellten Tierärzte der Partnerpraxen und -kliniken ausgeführt werden.

Vetevo betont, nachhaltig arbeiten zu wollen und wünscht sich v.a. die inhabergeführten Praxen als Partner. Durch das „Outsourcen“ von Beratungstätigkeiten wird aber die Beziehung der Kunden zu ihrem Haustierarzt, den man bei Sorgen und Problemen vertrauensvoll kontaktiert eher geschwächt als gestärkt.

Fazit

Nicht zuletzt könnten Unternehmen wie Vetevo zukünftig zu einem optimierten und modernen Ablauf in Tierarztpraxen beitragen. Wenn die Praxen dadurch, also durch die Konzentration auf das Kerngeschäft und beispielsweise durch „outsourcen“ einzelner Arbeitsschritte wirtschaftlicher arbeiten können, kann dies die Arbeitsbedingungen der angestellten Tierärzte sowie tiermedizinischen Fachangestellten verbessern und zu einem angemessenen Gehaltsgefüge führen.

Kritisch zu hinterfragen, aufmerksam zu verfolgen und öffentlich allen Tierbesitzern aufzuzeigen ist aber zu jeder Zeit die fachliche Ausbildung derer, die den Tierbesitzern am Telefon als “Behandlungsexperten“ einen Wegweiser durch die Tiergesundheit an die Hand geben und sich dadurch in eine Grauzone begeben, in der Tierärzten Kompetenzen streitig gemacht werden. Tierbesitzer sollten transparenter darüber informiert werden, wer über welche Kompetenzen zur Behandlung und Versorgung von Haustieren verfügt.

Die Stellungnahme der Vetevo GmbH in voller Länge gibt es hier zum Nachlesen:

Fragen des BaT an Vetevo

Auf www.vetevo.de kann sich zudem jeder einen eigenen Eindruck verschaffen.

Endlich Tierarzt – und nun? Infoveranstaltung von BaT und TVD in Leipzig

Am 16.10.2018 veranstaltete der TVD gemeinsam mit dem BaT eine Informationsveranstaltung zum Thema „Endlich Tierarzt – und nun?“ für das kurz vor dem Staatsexamen stehende Matrikel `13. Hanka Lange vom TVD erklärte ca. 30 Studierenden den Weg durch den Behördendschungel auf dem Weg zur Approbation und die Notwendigkeit bestimmter Versicherungen für das spätere Berufsleben.

Anschließend berichteten drei Referent_innen von Berufsfeldern und Karrierewegen abseits der praktizierenden Tierärzt_in. Prof. Martin Pfeffer stellte seinen aus vielen Umwegen bestehenden Weg zur Professur vor und unterstrich die interessanten Aspekte einer universitären Laufbahn. Im Anschluss an seinen Vortrag entspann sich eine kurze Diskussion zum Thema Flexibilität im Berufsleben und Befristung von Arbeitsverträgen an Forschungseinrichtungen. Maike Zeller (Hill’s Pet Nutrition) und Saskia Sarvan (IDT) erzählten sehr anschaulich „frei aus dem Bauch heraus“ von ihrer Arbeit im Tierfuttermarketing bzw. in der Impfstoffentwicklung am Tiermodell.

Zum Abschluss stellten wir drei Leipziger BaT-Vertreterinnen unseren noch jungen Verein, seine Ziele und Angebote für Mitglieder vor. Zu allen Vorträgen wurden interessierte Fragen gestellt und besonders positiv bestärkt hat uns drei die Tatsache, dass der BaT mittlerweile einen hohen Bekanntheitsgrad unter den Studierenden genießt.

Autorinnen: Jule, Frieda und Caro für den BaT in Leipzig