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Annas Weg – „Still weiterjammern oder aufstehen?!“

Beispielhaft seien hier die Erfahrungen einer Tierärztin wiedergegeben, die uns ihre Sicht der Dinge erläutert hat:

Annas Weg war in vielerlei Hinsicht neu und eher selten zu finden. Neu und selten für unsere Branche, neu für die Menschen, die diesen Weg mitgegangen sind und für die, die sich gezwungenermaßen diesem Weg stellen mussten. Rückblickend ist sie stolz auf sich und auf ihren Mut, diesen Weg bis zu Ende gegangen zu sein und ihn nicht nur theoretisiert zu haben. Sie schaut morgens in den Spiegel mit dem sicheren Wissen, sich weder unter Wert verkauft, noch verbogen zu haben, noch den so einfachen und bequemen Weg des Stillhaltens gegangen zu sein.

Dieser Bericht soll einerseits den Kollegen und Kolleginnen Mut machen ihr arbeitsvertraglich zugesichertes Recht ggf. auch mit professioneller Hilfe geltend zu machen; andererseits ist er auch ein harscher Vorwurf an die „Stillhalter“; an die, die sich aus Bequemlichkeit oder Wohlstand nicht bewegen (müssen). An die, die statt aufzustehen lieber weiter im Stillen jammern und meckern. Jene machen denen, die ernsthaft von diesem Beruf leben möchten (und müssen) das Leben zur Hölle.

Und ja….für unsere Branche gilt leider ein niederschmetternder Spruch, dem wir uns alle stellen müssen: „Der Fisch stinkt vom Kopf her“. Ihre Kündigung reichte Anna aus unterschiedlichen Gründen ein: eigentlich war es ein buntes Potpourri oben angeführter Verhandlungsversuche, welche allesamt pompös inszeniert zu 100% fehlgeschlagen waren. Nach über zwei Jahren Verschiebebahnhof war das Geld immer noch knapp am Monatsende, die Notdienstregelung wie gewohnt schlecht geplant und unterbezahlt und die fachliche Weiterentwicklung stagnierte ohne Aussicht auf Veränderung. Übrig von diesem Arbeitsverhältnis blieben eine Forderung ihrerseits zum Restgehalt, eine Abgeltung ausstehender Urlaubstage sowie die Erstellung eines Arbeitszeugnisses, an dessen Umsetzung sie sich im Gespräch, per Anruf, SMS, Brief etc. die Zähne ausgebissen hatte.

Zu diesem Zeitpunkt war sie nicht rechtsschutzversichert. Das Arbeitsverhältnis war ihre erste Anstellung nach der Approbation und damals hatte sie sich keine Gedanken über die eventuellen Negativaspekte einer Anstellung gemacht. Sehr blauäugig, aber wahr. Nach Rücksprache mit Freunden und Familie erntete sie vor allem allgemeines Kopfschütteln über den wenig wertschätzenden Umgang ihres Arbeitgebers ihr gegenüber. Zudem konnten Freunde, die nicht den Weg in die Veterinärmedizin gewählt hatten, das angebliche Problem überhaupt nicht nachvollziehen.

Dafür gäbe es doch einen Arbeitsvertrag, die gesetzlichen Grundlagen und überhaupt, das Ganze sei doch nicht einmal diskussionswürdig.

Schlussendlich suchte Anna einen Anwalt auf und ließ sich dort zunächst beraten. Im Gespräch wurde schnell klar, dass ihren Forderungen rein rechtlich nichts im Wege stünde; es aber doch recht absurd sei, dass über gesetzlich klar geregelte Dinge juristischer Klärungsbedarf bestünde. Nach Absprache mit dem Juristen bereitete Anna folgend die Darstellung ihrer Sicht der Dinge so detailliert wie möglich schriftlich vor. Dabei waren eine möglichst präzise nachvollziehbare Dokumentation und Belegbarkeit geführter Gespräche, Absprachen und schriftlicher Abkommen wichtig für den weiteren Verlauf.

Je aussagekräftiger diese eigens geleistete Vorabarbeit ist, desto mehr Geld spart man durch die Verkürzung der juristischen Arbeitszeit am Fall. Dieses Vorgehen ist nach Absprache sicherlich zu empfehlen. Zunächst forderte Annas Anwalt nach Ausstellung einer Bevollmächtigung ihre Forderungen bei der gegnerischen Partei ein – außer dem Schriftverkehr zwischen beiden Parteien passierte nicht viel. Die anwaltlich gesetzte Frist zur Begleichung ihrer Forderungen verstrich. Demzufolge erfolgte die Verfassung einer Klageschrift und deren Einreichung. Auch hier wurde aus juristischer Sicht eine Formalie abgearbeitet. Anna führte dazu einige organisatorische Telefonate mit ihrem Anwalt. Ansonsten musste sie nicht tätig werden.

Zwangsläufig entstand aus der Klagesituation die Ladung zur offiziellen gerichtlichen Verhandlung mit Präsenzpflicht. Die Verhandlung fand am Arbeitsgericht des zuständigen Landkreises statt. Im Arbeitsgericht fanden an diesem Tag im Viertelstundentakt Verhandlungen statt – Anna war dort lediglich „eine unter vielen“. Ziemlich schnell merkte sie, dass das, was in ihr für schlaflose Nächte, Aufregung und ein flaues Gefühl im Magen gesorgt hatte, hier an der Tagesordnung leise, unaufgeregt und sachlich abgearbeitet wurde.

Während der Verhandlung übernahm Annas Anwalt die Kommunikation – die eigentliche Sachlage war bereits im Vorfeld durch die eingereichten Unterlagen hinreichend geklärt worden. So gab es nur wenige Nachfragen, die allesamt von Annas Anwalt beantwortet wurden. Anna selbst war lediglich anwesend, wurde aber persönlich nicht befragt. Zuschauerrolle in der ersten Reihe quasi. Die zu entscheidende Sachlage wurde anschließend vom Gericht vor beiden Parteien zusammengefasst. Es folgte das Angebot eines sogenannten Vergleichs (für den Fall, dass beide Parteien sich doch noch außergerichtlich einigen möchten). Durch die klare Sachlage kam für Annas Anwalt dieses Szenario nicht in Frage, weshalb dieses Angebot abgelehnt wurde.

Nun musste das Gericht eine richterliche Entscheidung über den Fall treffen. Beide Parteien wurden dazu wieder aus dem Gerichtssaal gebeten und mussten warten.  Schlussendlich erfolgte nach einer halben Stunde Warterei kurz und knapp die Verkündung. Unter 2 Minuten, dann war die Entscheidung offiziell.

In Annas Fall mussten Gehalt und Urlaub natürlich in voller Höhe unverzüglich ausgezahlt werden. Auch ein Zeugnis stand ihr zu. Zudem ließ es sich der Richter nicht nehmen, die Unnötigkeit und die Lächerlichkeit dieses Falles bei solch klar gesetzlich geregelten Sachlagen zu betonen und einen eventuellen Revisionsantrag seitens der Gegenpartei von Vornherein auszuschließen.

In diesem Moment fiel Anna ein Stein vom Herzen, weil ihr die Selbstverständlichkeit, mit der der Richter dieses Urteil verkündet hatte ihr in vollem Umfang die eigene verschobene Wahrnehmung und ihre unbegründete Ängstlichkeit aufzeigte. Während der ganzen Zeit vor und im Prozess hatte Anna Angst vor dem Wort „Gerichtsprozess“ gehabt; Angst vor unbequemen Fragen, vor der Konfrontation mit ihrem ehemaligen Arbeitgeber, vor dem Gesamtprozedere, den Einschränkungen, den Kosten.

Sie hat aber vor allem unter den ehemaligen Kollegen gelitten, die sich aufgrund des von ihr gewählten Weges im Laufe der Zeit zunehmend von ihr abgewandt hatten. Die Darstellung der eigenen Loyalität zu ihrem ehemaligen Arbeitgeber aus Angst vor Repressalien war zu groß. Dabei waren es dieselben Kollegen, die sich auf den Wegen zum Schweine Impfen so oft bei ihr telefonisch über gescheiterte Verhandlungen oder frustrierende Chefgespräche beklagt hatten, die ihr anfänglich sogar den Rücken stärkten und sie „endlich mal“ zur Gegenwehr aufforderten (nicht zuletzt auch in ihrem Namen).

Anna hat von ihrem eingeforderten Lohn den Anwalt bezahlt und anschließend eine Rechtsschutzversicherung abgeschlossen. Angesichts ihres noch bevorstehenden Arbeitslebens waren für sie weitere Auseinandersetzungen mit Arbeitgebern, Vermietern oder in privaten Angelegenheiten nicht ausgeschlossen und die Aussicht auf Deckung der Anwaltskosten erleichterten ihr den Entschluss, sich auch zukünftig zumindest juristisch sorgenfrei beraten lassen zu können.

Fazit: Anna ist auf ihrem Weg klar geworden, dass die eigentlichen Steine auf diesem Weg weder ihre gestellten Forderungen, noch das anwaltliche Prozedere, noch die eigentliche gerichtliche Verhandlung waren. Im Gegenteil: die Lächerlichkeit ihres für die Richter so sonnenklaren Falles beschämen sie beinahe und führen das ganze Vorgehen aus Sicht des Gerichts ad absurdum. Nur leider ist es das in der Realität bei Weitem nicht: was in anderen Branchen noch nicht einmal ansatzweise diskussionswürdig wäre (weil jeder geschulte Personaler um die aussichtslosen Konsequenzen wüsste), muss in der Veterinärmedizin weiterhin mit juristischer Hilfe von Einzelpersonen mühevoll durchgesetzt werden.

Die eigentlichen Steine auf diesem Weg waren die Uneinsichtigkeit ihres ehemaligen Arbeitgebers, dessen Hinwegsetzen über klar im Arbeitsvertrag bzw. gesetzlich geregelte Dinge sowie der emotionale Rückzug ihrer vormals so verbundenen Kollegen aufgrund von persönlicher Schwäche und Pseudoloyalität. Der Fisch stinkt vom Kopf her….wir sollten alle darüber nachdenken.     

Um Kolleginnen wie Anna mehr Sicherheit zu bieten, wird der BaT in Kürze eine sehr vergünstige Rechtsschutzversicherung in Kooperation mit der TVD Finanz anbieten.

Ärger bei der Arbeit oder „Wie Du mir, so ich dir?“

„Wie Du mir, so ich dir“? Oder geht es heutzutage doch etwas professioneller: ein Erfahrungsbericht zu Inanspruchnahme juristischer Hilfe in unserer Arbeitswelt und zu der Erkenntnis, sich ernsthaft jemals moralisch gefragt zu haben, ob „man sowas überhaupt machen darf“.

Seien wir mal ehrlich…den meisten von uns zieht sich allein beim Gedanken an Ärger bei der Arbeit bereits der Magen zusammen und nur zu gut kennt ein jeder das flaue Gefühl in der Bauchgrube, wenn wir -um unser „Recht“ bettelnd- uns ein Herz fassen und mit unserem Anliegen vor unseren Chef treten. Unsere Anliegen klingen dabei zumeist ähnlich; Themen wie Überstundenausgleich, Notdienstverteilung, Vergütung, Terminvereinbarungen zu Gehaltsanpassungen, Entwicklungsgespräche oder -wenn das Kind im Sinne einer Kündigung bereits in den Brunnen gefallen ist- auch Themen wie Resturlaubsabgeltung, Auszahlung von Überstunden, Zeugniserstellung, etc. müssen auf den Tisch. Leider ernten wir meist statt einer fairen und gesetzeskonformen Regelung eher Kommentare im Sinne von: „Da müssen wir in Ruhe nochmal drüber reden, ich muss jetzt aber los zu einem Koliker“ oder auch: „Ich dachte, du wolltest hier noch was lernen?“ oder auch: „Das haben wir hier schon immer so gemacht, das geht schon so“.

Fertig. Gespräch beendet. Lösungsvorschläge: 0. Frustrationsgrad: 100.

Fazit: Konstruktiv geht irgendwie anders.

5 Minuten später sitzt man ziemlich adrenalinleer, nicht viel schlauer und herrlich abgefertigt wieder im Praxiswagen und fährt mal besser Schweine impfen.

Herzlichen Glückwunsch.

Zu einem neuen Gesprächstermin kommt es leider auch nicht mehr. Neuer Koliker….neues Pech.

Kein Wunder, dass sich die Mehrheit der angestellten Tierärzte angesichts von mediengetriebenen modernen workbasics des 21. Jahrhunderts ganz xinglike bei solch einem Umgang nicht mehr ernst genommen, für dumm verkauft, gedemütigt und ausgenutzt fühlt. Moderne Anforderungen an ein Arbeitsverhältnis wie eine beiderseitig gelebte Feedbackkultur, Wunsch nach Integrität und Identifikation, Förderung der Individualentwicklung, Übertragung von Eigenverantwortung, Anerkennung durch Zuwendungen etc. gehen nämlich anders. Unsere Generation ist auch beim Thema Arbeit mittlerweile flächenübergreifend sehr gut vernetzt, was dazu führt, dass solche antiken patriarchischen Alleingänge zunehmend zum Scheitern verurteilt sind.

Ein Wunder, dass so gut wie niemand unseresgleichen etwas gegen die „Wild-West-Manieren“ unternimmt. Es treibt einem die (verzweifelten) Fragezeichen ins Gesicht, warum sich die Mehrheit immer noch dermaßen abbügeln und abfertigen lässt. Warum tritt man lieber mit einer gehörigen Portion Wut im Bauch im Anschluss an so ein Gespräch das Gaspedal des Praxiswagens bis zum Anschlag durch und heult sich auf dem Weg zum Schweineimpfen bitterlich bei den loyalen Kollegen aus, als tatsächlich greifbare Konsequenzen aus dieser Situation zu ziehen?

Und zu allem Überdruss: Im Zeitalter des Fachkräftemangels wird andernorts mit flexiblen Anstellungsbedingungen, Vereinbarkeit von Beruf und Familie, Chancengleichheit, Gesundheitsförderung, offener Kommunikationspolitik und einer leistungsorientierten Vergütung geworben. Und bei uns? In unserer Branche, in der ebenfalls händeringend nach Mitarbeitern gesucht wird, sind wir weiterhin meilenweit von oben genannten Selbstverständlichkeiten entfernt.

Aber viel schlimmer: wir verzichten sogar eher auf das uns rechtlich zustehende Gehalt, auf den Urlaub, die Zulagen, den Ausgleich, das Zeugnis, als sich auf den vermeintlich steinigen Weg der Einforderung dieser Rechte zu begeben.

Wir sind aktuell so meilenweit von den wirklich modernen Anforderungen des Arbeitsmarktes entfernt, weil wir es noch nicht einmal schaffen, die absoluten Basics einzufordern.

Betrifft dieses Phänomen des Stillhaltens gerade eher zufällig eine gewisse Generation, eine gewisse Berufsbranche, ein gewisses Geschlecht, einen gewissen Typus Gutmensch oder solche, die sich diesen Verzicht „leisten“ können? Ist die Quersubvention der Veterinärmediziner bereits so selbstverständlich geworden, dass niemand mehr auch nur die Stirn runzelt, wenn „mal wieder nichts dabei rausgekommen ist“?

Oder ist es vielleicht eine Kombination genannter Attribute?

Was auch immer die Auslöser solch eines Wegbückverhaltens sein mögen; dieser Text soll aufklären über das, was wirklich passiert (oder was eben alles nicht passiert), wenn jemand seine Rechte mithilfe juristischer Hilfe geltend macht, wenn jemand aktiv wird, sich an die Oberfläche traut und sich den „Verzicht“ weder aus moralischer, noch aus finanzieller Sicht leisten kann oder will. Wenn jemand in seinem Beruf ernst genommen werden möchte und Eigenverantwortung übernimmt. Und wenn jemand unabhängig von externer Subvention leben möchte oder leben muss.

Ein Zustand, der im Übrigen selbstverständlich für alle (wirklich!) erwachsenen Kollegen und -innen sein sollte.

Beispielhaft werden in Kürze hier die Erfahrungen der Tierärztin Anna wiedergegeben, die uns ihre Sicht der Dinge erläutert hat…

Auch der BaT ist gegen Qualzuchten!

Die Berliner Landestierärztekammer hat eine hervorragende Aufklärungskampagne gegen Qualzuchten ins Leben gerufen. Mit Plakaten, die ins Auge springen soll die Öffentlichkeit darauf aufmerksam gemacht werden, dass gewisse Hunde- und Katzenrassen unter ihren Rassemerkmalen leiden – oft ihr ganzes Leben lang. Weil der Mensch diese Tiere „süß“ findet kämpfen sie mit Atemnot, Skelett- oder Hauterkrankungen – oft so stark, dass es tierschutzrechtlich relevant wird.

Beim Thema Tierschutz geht es nicht nur um die gesellschaftlich mittlerweile bekannte Massentierhaltung im Nutztierbereich sondern auch um Leidensfälle im Heimtierbereich. Letztere entstehen durch die Züchtung von Heimtieren mit teils fraglichen Rassemerkmalen und durch mangelhaftes Wissen der Tierhalter. Der Fokus bei der Zucht von Heimtieren sollte auf der Gesundheit liegen!

Mehr zur Kampagne der Berliner Tierärztekammer gibt es hier. Wir bedanken uns herzlich bei der Tierärztekammer Berlin für die Bereitstellung der Plakate!


 

Küche, Kinder, Kleintierpraxis – das Berufsbild des bpt Präsidenten Dr. Moder? Teil 2

Küche, Kinder, Kleintierpraxis – das Berufsbild des bpt Präsidenten Dr. Moder? Teil 2

Als Interessensvertretung der angestellten Tierärzte/innen in Deutschland bezieht der Bund angestellter Tierärzte e.V. (BaT) zur Sendung des Bayrischen Rundfunks  zum Tierarztmangel in der Nutztierpraxis, in dem sich der BpT- Präsident Herr Dr. Moder und seine Frau  äußern, in einem 2. Teil (Teil 1 lesen Sie hier) wie folgt Stellung:

Die im Beitrag aufgeführte Argumentation, dass für angestellte Tierärzte das Arbeitszeitgesetz gelte, für Selbstständige jedoch nicht, ist in Deutschland und vielen anderen Ländern schon lange festgelegt, und sollte jedem bei der Entscheidung zur Selbstständigkeit bewusst sein. Es kann – aus der Sicht des BaT – nicht sein, dass das „Bestehen auf einen 8 Stunden Tag“ der Generation X der jungen Tierärzte  als Faulheit und Unflexibilität ausgelegt wird- auch wenn es mit Aufwand, Zeit und oftmals auch erhöhten Personalkosten verbunden ist, muss der Arbeitgeber dafür Sorge tragen, dass sein Betrieb so wirtschaftlich geführt wird, dass es personell eben keine Kollision mit dem Gesetz gibt. Dadurch, dass diese Gesetze jahrelang missachtet wurden und sich die heutigen Uniabsolventen eben nicht mehr zu unmöglichen Bedingungen und unter Verstößen des Arbeitszeitgesetzes anstellen lassen wollen, ist der derzeitige Nachwuchsmangel eine Entwicklung, die vielerorts zu personellen Engpässen führt, aber letztendlich längst überfällig war.


Folgende Fragestellungen sollten viel eher in den Fokus gerückt werden: Warum muss jede Praxis Notdienst anbieten? Warum schließen sich nicht Praxen aus einer Region zusammen (möglicher Umkreis z.B. 50 km) und teilen sich die Dienste auf? Da auch in der Nutztierpraxis diese Fahrstrecken in einer einzelnen Praxisstruktur abgebildet werden, ist dies im Notdienst ebenfalls machbar. Und für Kleintierbesitzer ist eine Anfahrt von einer Stunde sicher auch zumutbar. In anderen Bereichen der ärztlichen Versorgung, ist das schon lange Alltag.


An dieser Stelle möchten wir darauf hinweisen, dass es jetzt die Pflicht des bpt wäre durch realistische Gehaltsempfehlungen den Beruf des Tierarztes attraktiver zu machen- um damit die vielerorts beklagte „Landflucht“ bzw. das Abwandern männlicher und weiblicher Kollegen in Industrie oder Veterinärämter effektiver einzudämmen. Es ist Fakt, dass Frauen die Zukunft des tierärztlichen Berufs sind- sei es, weil sie oftmals durch ein besseres Abitur eher einen Studienplatz bekommen und sich Männer einfach seltener auf einen schlecht bezahlten Job einlassen. Diese gehen somit gar nicht erst die Praxis oder bevorzugen gleich andere Studiengänge. Diese Thematik aber (gewollt oder ungewollt) in einem öffentlichen Beitrag auf die Lebensziele einer Frau, den Wunsch nach einem „8- Stunden Tag“ und „flexible Arbeitszeiten“ zu reduzieren, ist eine schlecht recherchierte, einseitige Berichterstattung.


Wie schaffen es andere Branchen Teilzeitmodelle und Arbeitszufriedenheit zu erzielen? Sind die für Arbeitgeber und Arbeitnehmer klaren Regelungen in puncto Arbeitszeit, Gehalt und der deutlich früher erkannten Feminisierung ein Grund? Diese klaren Regeln – auch mit Zugeständnissen für die Arbeitgeber in Form von Lockerungen bei den Ruhezeiten und mehr als 8 Stunden Schichten, können im Rahmen von Tarifverträgen verhandelt werden. Allein Tarifverträge ermöglichen diese klar geregelten berufsspezifischen Ausnahmen, die auch für Teilzeitverträge interessante Optionen bieten. Leider existiert ein Tarifvertrag in der Tiermedizin bisher nicht.


Einen bitteren Nachgeschmack verleihen der Reportage die  Aussagen von Frau Dr. Moder.  Sie vermittelt mit ihren Aussagen den Eindruck, dass Frauen bevorzugt den Weg in die Kleintierpraxis einschlagen, weil ihnen die Arbeit mit Großtieren zu schwer, schmutzig und unbequem sei. Das Argument des „häufigeren Haarewaschens“ oder des „Geschubst- werden“ von Kühen ist schlicht und einfach oberflächlich, frauenfeindlich und ein Hohn gegenüber den Großtierpraktikerinnen, die sich genauso gut gegenüber einer Kuh behaupten können wie eine Kleintierpraktikerin gegenüber einer bissigen Katze oder einem wehrhaften Graupapageien. Auch suggeriert ihre Aussage zur Arbeit in der Kleintierpraxis „wie in den Tierarztserien“, dass weibliche Tierärzte ihren Beruf erlernen, weil sie durch TV- Serien auf die Idee gekommen sind gerne flauschigen, niedlichen Patienten zu helfen. Hier werden Frauen gewollt oder ungewollt degradiert und als naiv dargestellt.

Die Reportage ist aus Sicht des BaT einseitig recherchiert, es fallen viele diskriminierende Aussagen und die heutige Generation der angestellten Tierärzte und besonders Tierärztinnen wird in einem völlig falschen Licht dargestellt.

Da der bpt auf seiner Homepage mit dem Slogan „Wir sind das Sprachrohr für eine positive gesellschaftliche Wahrnehmung der Tierärzte“ wirbt, ist man angesichts dieses Berichtes zumindest irritiert.

Im BaT streben wir gemeinsam ebenfalls eine Stärkung der Außenwahrnehmung des tierärztlichen Berufsstandes an, damit sich kurzfristig die tierärztliche Arbeit für Arbeitnehmer UND Arbeitgeber wieder lohnt. Andere Länder leben es uns vor, dass tierärztliche Leistung Geld kostet. Nicht der Arbeitgeber, sondern die Kunden müssen die angestellte Tierärztin bzw. den angestellten Tierarzt (angemessen) bezahlen. Der Arbeitgeber erwirtschaftet entsprechend  bessere Umsätze und höhere Gewinne.

Wir wollen Sie als Kolleginnen und Kollegen -sollten Sie dieser Argumentation folgen können – motivieren, diese Herausforderungen jetzt gemeinsam in Angriff zu nehmen und sich durch Ihre Mitgliedschaft im Bund angestellter Tierärzte e.V. zu engagieren, für die Zukunft unseres Berufsstandes!

Gemeinsam mehr erreichen!

Für den Vorstand des Bund angestellter Tierärzte e.V.

Küche, Kinder, Kleintierpraxis – das Berufsbild des bpt Präsidenten Dr. Moder? Teil 1 – Ein Kommentar des BaT e.V.

Als Interessensvertretung der angestellten Tierärzte/innen in Deutschland bezieht der Bund angestellter Tierärzte e.V. (BaT) zur Sendung des Bayrischen Rundfunks zum Tierarztmangel in der Nutztierpraxis, in dem sich der BpT- Präsident Dr. Moder und seine Frau  äußern, wie folgt Stellung:

Mit großer Betroffenheit haben wir die Darstellung der heutigen Generation angestellter Tierärzte, aber insbesondere der Frauen unseres Berufsstandes in diesem Beitrag wahrgenommen. Bereits der Eingangssatz des BR, dass das Problem des Tierärztemangels dadurch zustande kommt, dass „immer weniger Männer diesen Beruf ergreifen“ ist eine völlig falsche Analyse der aktuellen prekären Situation. In allen Bereichen der Tiermedizin, nicht nur bei den Großtieren bzw. auf dem Land, herrscht Nachwuchsmangel, sprich die Arbeitgeber finden immer schlechter Angestellte. Dies ist aber keinesfalls ein „Geschlechter“- Problem wie im Beitrag dargestellt, sondern eine komplexe Entwicklung aus der seit Jahren für Akademiker unterdurchschnittlichen Bezahlung der praktizierenden Tierärzte (teils unter Mindestlohn) und einer häufig unmöglichen Vereinbarkeit von Familie und Beruf (und das ist wohlgemerkt nicht nur für Frauen ein Problem!). Schlechte Work-Life-Balance, Nicht- Beachtung des Arbeitszeitgesetzes (nicht „Arbeitszeitschutzgesetz“) an vielen Arbeitsstellen und generell eine geringe Wertschätzung der tierärztlichen Arbeit durch Kunden, Öffentlichkeit und Politik bedingen ihr Übriges.


Folgendes gilt es zudem in diesem Kontext zu bedenken: Das Arbeitszeitgesetz stammt aus dem Jahr 1994 und galt immer schon uneingeschränkt auch für angestellte Tierärzte – seit über 24 Jahren. Nur gab es bisher kaum Kontrollen. Diese fanden und finden erst in jüngster Zeit und in Kombination mit Überprüfungen zur Einhaltung des Mindestlohnes statt – es ermittelt nun häufiger der Zoll und zieht das Gewerbeaufsichtsamt hinzu.


Von daher zieht es immer mehr Tierärzte aus der Praxis oder sie schlagen gleich nach dem Abschluss eine Parallelrichtung in Industrie, Futtermittelbranche, Veterinäramt oder Forschung/Lehre ein. Auch der Behauptung, dass 25% aller Absolventinnen „heiraten und eine Familie gründen“ und somit „dem Arbeitsmarkt nicht mehr zur Verfügung stehen“, wie Dr. Moder es darstellt, fehlt jegliche Grundlage bzw. sollte vom Präsidenten des Bundesverbandes praktizierender Tierärzte zumindest mit Quellen belegt werden.

Vielmehr lässt es die Frauen unseres Berufsstandes so dastehen, als ob viele nach dem Studium die „Flucht in die Frucht“ ergreifen, sich vom Partner aushalten lassen und für den Rest ihres Lebens vom Arbeitsmarkt verschwinden. Vielmehr ist es aber so, dass Frauen im tierärztlichen Beruf durch ein häufig ausgesprochenes Beschäftigungsverbot bei einer Schwangerschaft sehr frühzeitig aus der praktischen Arbeit aussteigen müssen und sich anschließend mit Still- und Erziehungszeiten ungewöhnlich lange Berufspausen ergeben. Da dann oftmals der Wiedereinstieg in den Beruf durch die Arbeitszeiten (lange Sprechstunde, Notdienste, Rufbereitschaft) mit Kindern in Vollzeit schlichtweg nicht machbar ist und das Gehalt ohnehin meistens deutlich schlechter ist, als jenes des Partners, werden die Frauen regelrecht in eine jahrelange Teilzeittätigkeit gezwungen.

Diese wiegt aktuell jedoch nicht einmal die Kosten der Kinderbetreuung auf und wird damit unlukrativ. Die Aussage von Kollegen Dr. Moder als Vertreter des bpt, dass Frauen ja auf „flexible Arbeitszeiten“ bestehen würden und „die Selbstständigkeit scheuen“ erscheint aus unserer Sicht unreflektiert. Nicht zuletzt spiegelt zudem die Feststellung, dass seine weiblichen Angestellten „spontan im Notfall aushelfen“ leider eine weit verbreitete Haltung gegenüber weiblichen Kollegen und der Wertschätzung ihrer Arbeit wider.


Warum schaffen es andere Branchen – insbesondere unsere Humankollegen – Teilzeitmodelle und Arbeitszufriedenheit zu etablieren? Sind dort möglicherweise die für Arbeitgeber und Arbeitnehmer klaren Regelungen in puncto Arbeitszeit, Gehalt und die deutlich früher erkannte Feminisierung ein Grund? Diese klaren Regeln – auch mit Zugeständnisse für die Arbeitgeber in Form von Lockerungen bei den Ruhezeiten und der Freigabe von mehr als 8 Stunden Schichten, die ggf. für Teilzeitkräfte auch interessant sind – sind auf einen Tarifvertrag zurückzuführen -allein Tarifverträge ermöglichen diese klar geregelten berufsspezifische Ausnahmen. Leider existiert ein Tarifvertrag bisher in der Tiermedizin noch nicht.


Stattdessen hat sich sogar die Bundestierärztekammer beim Deutschen Tierärztetag 2018 in Dresden für Sonderregelungen – genauer gesagt eine Lockerung – des Arbeitszeitgesetzes nur für Tierärzte stark gemacht. Das heißt, es soll möglichst alles beim Alten bleiben. Auch von dieser Seite können also weibliche Tierärzte keine Unterstützung erwarten. Der Bund angestellter Tierärzte e.V hat sich deswegen bereits in einem Offenen Brief an die Politik gegen die Beschlüsse des Deutschen Tierärztetags positioniert.

Wir machen uns damit dafür stark, dass der Sinn von „work-life-balance“ von einem auf Entscheidungsebene noch „männlich und über 50“ dominiertem Berufsstand endlich verstanden wird. Damit „workaholic“ als Krankheitsbild und nicht als Vorbild verstanden wird.

Warum das Arbeitszeitgesetz nicht für Arbeitgeber gilt, wie sich die Arbeitsmotivation steigern ließe und was damit „häufigeres Haarewaschen“ oder das „Geschubst- werden“ zu tun haben, lesen Sie in Kürze im 2. Teil.

Gleichzeitig möchte der Bund angestellter Tierärzte e.V. Sie als Kolleginnen und Kollegen -sollten Sie die Ansichten des bpt-Präsidenten Dr.Moder nicht teilen – motivieren, diese Herausforderungen jetzt gemeinsam in Angriff zu nehmen und sich durch eine Mitgliedschaft im Bund angestellter Tierärzte e.V. zu engagieren, für die Zukunft unseres Berufsstandes!

Gemeinsam mehr erreichen!

Der Vorstand des Bund angestellter Tierärzte e.V.